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Ausbildungskonzeption und Periodisierung


Das Ziel des NLZ ist klar: Talente aus Bielefeld und OWL so auszubilden, dass sie mittelfristig zur ersten Mannschaft stoßen und ihr einen regionalen Touch verleihen können. Der Wunsch alleine ist fromm, reicht aber natürlich bei weitem nicht. Was dahinter stehen muss, ist ein Ausbildungskonzept, das qualitativ höchsten Ansprüchen genügt und den Spielern zu einer bestmöglichen Entwicklung verhilft.

Zwischen der schulischen und der fußballerischen Ausbildung gibt es zahlreiche Parallelen. So wie ein Schüler in der Schule Jahr für Jahr gewisse Lernziele erreichen soll und die Lehrinhalte progressiv aufeinander aufbauen, so ist auch das Prinzip der Fußballerausbildung nicht anders. Auch hier werden Lernziele verfolgt und die progressiven Inhalte verbinden die einzelnen Jahrgänge miteinander. Während in der Schule allerdings eine möglichst vergleichbare Ausbildung in weiten Teilen des Landes, zumindest aber Bundeslandes angestrebt wird, besteht hier im Fußball natürlich eine andere Sichtweise.

Vor der vergangenen Saison wurde von den Trainern des NLZ erstmals ein sogenannter „Makrozyklus" entwickelt, nach dem in allen U-Mannschaften des DSC trainiert wird. Dieser Zyklus beinhaltet einen Jahresplan für jede Altersstufe, basierend auf den altersspezifischen Gegebenheiten im Rahmen von Entwicklungsstufen, die jeder Jugendliche durchläuft. Grundlegend für die Jahresplanung ist dabei, dass alle Inhalte auf der technisch-koordinativ-athletischen Ausbildung beruhen, die den Schwerpunkt bei den Kleinsten bildet.

Die Basis, die dem Makrozyklus zu Grunde liegt, ist die Tatsache, dass jeder Mensch in seiner Entwicklung verschiedene „sensible Phasen" durchläuft. Das bedeutet, dass jedes Kind in bestimmten Altersstufen besonders lernfähig für gewisse motorische Fertigkeiten und Fähigkeiten ist. Zum Beispiel sei die akustische und optische Reaktionsfähigkeit im Alter zwischen sieben und elf Jahren, die Schnelligkeit zwischen sieben und 14 Jahren oder die Differenzier- und Steuerungsfähigkeit zwischen sieben und zwölfeinhalb Jahren am besten trainierbar (nach Martin, 1982). Um eine optimale Entwicklung der Kinder erreichen zu können, muss auf diese sensiblen Phasen eingegangen werden. Daher werden in die Jahresplanung für die unterschiedlichen Nachwuchsmannschaften Schwerpunkte integriert, die an diese Phase angelehnt sind.

Ein entscheidender Punkt der Ausbildungsphilosophie des DSC Arminia ist es, dass je älter die Spieler werden bzw. je weiter die Entwicklung voran schreitet, desto wichtiger taktische Abläufe werden. Der Philosophie des NLZ entsprechend liegt ein Schwerpunkt der Ausbildung in der Kombination der Technik des Passspiels und der Schulung im individual-taktischen Verhalten im Spiel ohne Ball. In diesen Bereich fallen etwa das Anbieten und Freilaufen, der erste Kontakt bei der Ballan- und -mitnahme, die Ballannahme offen zur Spielrichtung oder das Anbieten auf Lücke. Dies ist sozusagen das kleine Einmaleins des DSC und wird von der U10 an gelehrt.

Ab der D-Jugend nehmen schließlich partner- und gruppentaktische Verhaltensweisen sowohl in Angriff als auch in Defensive einen immer größeren Stellenwert ein. Generell ist von großer Bedeutung, dass die NLZ-Trainer spielerisch und schnelligkeitsorientiert trainieren lassen.

Bis zur U13 spielen alle Nachwuchsmannschaften des DSC im 3-4-3-System. Dies hat den Sinn, dass dadurch zwangsläufig zahlreiche 1:1-Situationen entstehen und die Spieler sich diesen stellen müssen, das ganze Spielfeld abgedeckt ist und alle Räume bedeckt sind. Ziel ist es, hierdurch die Kreativität der Kinder im 1 gegen 1 und im Passspiel zu fördern. Ab der U14 werden den Talenten die ersten Verhaltensweisen im Spiel aus der Viererkettet heraus vermittelt und es wird ballorientiert verteidigt. Je nach Mannschaft wird im 4-3-3 oder im 4-4-2 gespielt, entscheidend aber ist, dass die Taktik offensiv ausgerichtet ist. Zudem ist es umso wichtiger, je älter die Spieler werden, dass im Training unter höchstem Gegner-, Zeit- und Präzisionsdruck gearbeitet wird, um dem Wettkampfspiel möglichst nahe zu kommen - das Training darf nicht konstruiert sein, sondern orientiert sich immer an realistischen Spielsituationen.

Allerdings: Nicht nur das taktische Verständnis für das Spielsystem allgemein, sondern auch das Verstehen und Einschätzen einzelner Spielsituationen ist für die Trainer des NLZ ein wichtiger Baustein. Gerade in den vergangenen Jahren ist der Fußball an sich immer schneller geworden. Die Spieler erreichen ihren athletischen Zenit immer früher und die Schnelligkeit der Spieler spielt heute eine immens große Rolle. Weil das so ist, müssen die Spieler aber auch in der Lage sein, viel schneller bestimmte Situationen wahrzunehmen, einzuschätzen und in der richtigen Art und Weise und vor allem variabler zu reagieren als dies früher noch der Fall war. So müssen die Nachwuchsspieler zum Beispiel entscheiden: Bekomme ich den Ball in einer Überzahlsituation, dann mache ich das Spiel möglichst schnell - bekomme ich den Ball in einer Unterzahlsituation verzögere ich.

Damit dieses Wahrnehmungstraining einen optimalen Ertrag bringt, legen die Trainer des DSC großen Wert auf eine der Entwicklung entsprechenden Spielfeldgröße, -form und Spieleranzahl - diese Parameter werden mit steigendem Alter sukzessive angepasst. Ein 13-Jähriger etwa kann dank seines peripheren Sehens, ein Vier-gegen-Vier bewältigen, ohne den Überblick zu verlieren. Eine Elf-gegen-Elf hingegen würde ihn überfordern und wäre nicht förderlich für das Ausbildungsziel.

Definitiv förderlich allerdings sind sogenannte Keywords, die bereits ab der U10 eingeführt werden. In Zusammenarbeit aller Trainer wurde ein Katalog mit diesen Keywords entwickelt, an die sich alle Spieler und Trainer des NLZ halten. Um auch hier dem Alter und der Entwicklung der Spieler zu entsprechen, wurde der Katalog zweigeteilt angepasst: Einer gilt für die U10 bis U14, einer für die U15 bis U23. Dabei geht es um kurze, aber verständliche und widerspruchsfreie Ausdrücke, die ein schnelles Handeln nach sich ziehen. So bedeutet etwa "Dreh", dass der Passempfänger Platz hat und die Ballmitnahme in Spielrichtung geschehen soll, "Schließen" bezeichnet die Grundordnung bei generischem Ballbesitz.

Möglich ist all das natürlich nur, wenn die Trainer tatsächlich qualifiziert sind und für die Umsetzung der DSC-Ausbildungskonzeption über ein methodisch-didaktisches Repertoire verfügen. Grundsätze sind Imitationslernen, Lernen durch Lehren, kooperatives Lernen sowie ein ständiger Wechsel zwischen Übungs- und Spielform. Um die Ausbildung der Spieler zu verbessern wird mittlerweile ab der U15 zudem mit der Videoanalyse gearbeitet. Das heißt, Spiele und Training der Mannschaften werden aufgezeichnet, bestimmte auffällige Szenen zusammen geschnitten und anschließend in einem eigens dafür ausgestatteten Besprechungsraum auf der Leinwand angeschaut. So wird den Spielern quasi ein Spiegel vor Augen geführt, sie sehen tatsächlich, was sie gut oder schlecht gemacht haben und können somit besser verstehen, wie sie sich in Zukunft in ähnlichen Situationen verhalten sollen. Ausdrücklich zu erwähnen ist, dass dabei nicht nur Fehler gezeigt werden, sondern ganz gezielt und häufig auch im positiven Sinne auffällige Szenen - denn auch diese werden durch das nochmalige Ansehen gelernt, vertieft und können so in Zukunft wieder abgerufen werden.

Keine Frage: Taktik ist lange nicht alles. Natürlich nehmen daneben auch die technische und besonders die athletisch-konditionelle Ausbildung der Talente einen wichtigen Stellenwert ein. Seit der aktuellen Saison arbeitet das NLZ in diesem Bereich mit Michael Gromeier zusammen. Gromeier ist Dozent an der Universität Bielefeld in der Fakultät der Sportwissenschaften und leitet den Fachbereich Leichtathletik, bei Arminia ist er für die athletische Ausbildung der unteren Mannschaften bis zum Leistungsbereich (also U12 bis U16) verantwortlich. Ab der U17 übernimmt Profi-Athletiktrainer Nils Haacke in Zusammenarbeit mit Dominic Palmer diesen spezifischen Teil des Trainings. Als Basis der individuellen Ausbildung im Rahmen der Kondition gibt es mehrmals jährlich leistungsdiagnostische Maßnahmen. Zweimal pro Jahr wird in Zusammenarbeit mit der Universität Paderborn ein Feldstufentest (Laktattest) durchgeführt, sogar dreimal pro Jahr finden Schnelligkeits- (zyklisch und azyklich), Sprung- („drop-jump" und „counter-movement-jump") sowie Krafttests (Maximalkraft) statt. In allen Fällen von absoluter Wichtigkeit ist, dass dazu die gleichen Bedingungen geschaffen werden, um die Ergebnisse vergleichbar zu machen. Im Fall des DSC wird hierzu regelmäßig die Seidenstickerhalle in Bielefeld angemietet.

Ein bedeutender Part der Ausbildung ist die Arbeit mit den Torhütern. Diese absolvieren neben dem Mannschaftstraining zusätzliche Einheiten, um gezielt verbessert werden zu können. In den unteren Mannschaften übernimmt Motoko Kawahara dieses Training, ab der U17 Marco Kostmann, der ebenfalls auch für die Lizenztorhüter verantwortlich ist. Kostmann ist im Juni zur Arminia gestoßen und bleibt gleichzeitig seinem Amt als Torwarttrainer der deutschen U20-Nationalmannschaft treu. Damit hat Arminia auch in diesem so wichtigen Bereich einen erfahrenen und qualifizierten Trainer dazu gewonnen.

Der DSC Arminia Bielefeld möchte nicht nur technisch, athletisch und taktisch hervorragend ausgebildete Spieler, sondern auch mündige, pflichtbewusste und eigenständige Spieler. Dies zeigt, dass auch die Persönlichkeitsentwicklung einen großen Teil der Ausbildungskonzeption ausmacht. Basierend auf der Philosophie wurde in der vergangenen Saison ein Verhaltens-ABC sowie ein Maßnahmenkatalog bei Nichteinhaltung bestimmter Regeln und Abmachungen entwickelt. Damit sollen die Spieler zur Eigenverantwortung erzogen werden, sie sollen verstehen, dass sie mit ihrem Verhalten sowohl für sich als auch für die die Gruppe eine Verantwortung tragen und außerdem eine Identifikation mit dem Club aufbauen. Besonders im Kinder- und Jugendalter wird eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern und eine größtmögliche Transparenz als zentral angesehen. Daher finden zweimal jährlich „Standortgespräche" statt - je älter die Spieler werden, desto losgelöster von den Eltern finden diese statt. Um das Ziel mündiger Spieler zu erreichen, ist es Grundsatz dieser Gespräche, dass die Talente sich selbst einschätzen und über Stärken und Schwächen offen gesprochen wird. Im Anschluss wird im Rahmen des Individualtrainings an den gemeinsam besprochenen Stärken und Schwächen gearbeitet, Gutes wird ausgebaut, Schlechtes bestenfalls abgestellt.

Allerdings: Nicht nur die Spieler müssen sich kontinuierlich verbessern, auch die Trainer und Mitarbeiter des NLZ müssen sowohl sich als auch die Ausbildungskonzeption ständig hinterfragen, um nicht stehen zu bleiben.


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